Schon letztes Jahr wollten wir Gibraltar besuchen, allein es passte nicht in unsere Planung. Dieses Jahr haben wir uns besser vorbereitet und von Conil de la Frontera aus den Campingplatz Sureuropa in La Linea de Conception als nächste Station angefahren. Der Platz wird von der Organisation Asansull betrieben, einer Vereinigung für Personen mit besonderen sozialpädagogischen Bedürfnissen.
Von hier aus kann man Gibraltar leicht mit dem Fahrrad erreichen, indem man einfach an der Küste entlang fährt, bis der Grenzzaun in Sicht kommt. Gibraltar ist nicht Teil des Schengen-Raums, obwohl darüber seit dem Brexit verhandelt wird. Stattdessen werden Grenzkontrollen durchgeführt. Als Radfahrer kann man zwar an der Autoschlange vorbei fahren, sollte aber die Persos griffbereit haben, da (fast) alle sowohl bei der Einreise als auch der Ausreise kontrolliert werden, manchmal gar von Spaniern und Gibraltarern. Wie erwähnt reicht für die Einreise der Personalausweis, ein Reisepass ist für Gibraltar nicht nötig.

Das Bild Gibraltars wird wesentlich durch den Felsen von Gibraltar, die dort lebenden Affen sowie die kurze Distanz zu Afrika geprägt. Das obige Bild drückt dies aus, im Hintergrund ist Marokko zu sehen. Hinzu kommt der britische Lifestyle, z.B. durch die Anwesenheit eines Morrison Supermarktes mit typisch britischem Warenangebot. Zum Glück gilt auf dem 29km langen Straßennetz von Gibraltar der europäische Rechtsverkehr, sodass sich Autofahrer nicht bei jedem Grenzübertritt umstellen müssen.

Als Fahrradfahrer oder Fußgänger überquert man nach dem Grenzübertritt erst einmal die Startbahn des Gibraltar International Airports, die überwiegend frei ist, da nur etwa drei Starts und Landungen pro Tag stattfinden. Auf der anderen Seite angekommen erreicht man in Kürze die Main Street, an der sich mehr als weniger touristische Geschäfte aneinander reihen.
Am Ende der Main Street findet man den großen Parkplatz an der Talstation der Seilbahn, die auf den Felsen führt. Hier stellten wir unsere Fahrräder ab, fuhren mit der Seilbahn hinauf und gingen ins Naturschutzgebiet, in dem die meisten Sehenswürdigkeiten des Felsens liegen.

Auf der Fahrt bieten sich bereits atemberaubende Ausblicke auf die Stadt, auf das an der gegenüber liegenden Seite der Bucht liegende spanische Algeciras mit seinem Hafen und auf den afrikanischen Kontinent. Den hatten wir bereits ein paar Tage zuvor bei unserem Besuch im Surferparadies Tarifa vor Augen. Tarifa liegt noch näher an Afrika als Gibraltar, nur 12 Kilometer Luftlinie, und wir konnten von dort aus Siedlungen an der afrikanischen Küste mit bloßem Auge erkennen.

Oben angekommen haben wir verschiedene Sehenswürdigkeiten angesteuert, wie z.B. den Skywalk, von dem wir das obige Bild geschossen haben, das die Ostseite des Felsens zeigt. Die O’Hara‘s Battery stammt aus dem Festungsausbau des Felsens in 1890 und wurde auch im WW2 benutzt. Der Felsen war schon seit dem 8. Jahrhundert eine Festungsanlage, die von verschiedenen Völkern genutzt wurde, so den Mauren, dem römischen Reich und natürlich den Briten seit dem Frieden von Utrecht 1713.

Beeindruckend präsentiert sich St. Michael’s Cave, eine Tropfsteinhöhle, die durch farbige Strahler ihre Figuren preisgibt. Sie ist die meistbesuchte Sehenswürdigkeit auf dem Felsen. Als wir dort im Dezember waren, fanden wir nur wenige Besucher vor und hatten Platz, um uns in Ruhe umzusehen.
Auf dem Felsen leben über 200 Berberaffen, die einzige frei lebende Population in Europa. Forscher der Universität Zürich wiesen anhand von DNA-Analysen nach, dass die Affen direkt von Völkern in Marokko und Algerien abstammen. Vermutlich wurden ihre Vorfahren von den Mauren nach Gibraltar eingeführt.

Den Weg zurück nach unten in die Stadt kann man über Asphalt oder über verschiedene reine Fußwege nehmen, deren Namen teils dramatisch klingen, die aber gut begehbar sind.

Auf dem Fußweg zurück vom Felsen in die historische Altstadt von Gibraltar kamen wir an vielen interessanten Ecken und historischen Gebäuden vorbei, die hier auf sehr engem Raum stehen. Zum Abschluss des Tages entspannten wir auf der Terrasse der The Lounge Bar am Queensway Quay des Yachthafens. Schließlich gingen wir die 400m zu unseren Fahrrädern und fuhren die ca. 11km lange Strecke zum Campingplatz zurück. Den Ausflug nach Gibraltar werden wir sicherlich in den nächsten Jahren noch mal wiederholen.